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Landesrabbiner Joel Berger sagte unlängst
in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung: Wir sollten
uns weniger mit dem christlich-jüdischen Dialog befassen
und uns endlich mit uns selbst beschäftigen." Was bedeutet
eine solche Aussage vor dem Hintergrund des 50jährigen Jubiläums
der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit
(GCJZ) in Berlin?
Zur Geschichte: Unter amerikanischer Ägide 1948/1949 gegründet,
sollte sie parallel zur Entnazifizierung zur Umerziehung der
Deutschen beitragen. Die US - Regierung beauftragte den methodistischen
Pfarrer Carl F. Zietlow aus Minneapolis nach dem amerikanischen
Vorbild der World Brotherhood" auf religiöser
Basis eine neue Form des Zusammenlebens zwischen jüdischen
und nichtjüdischen Deutschen zu finden.
In verschiedenen deutschen Städten wurde aus den örtlichen
Honoratioren, Wissenschaftlern und Künstlern ein Vorstand
zusammengestellt, dem jeweils ein Protestant, ein Katholik und
ein Jude, die entsprechenden Stellvertreter und ein Schatzmeister
angehörten. An dieser Organisationform hat sich bis heute
nicht geändert. Die Juden im Berliner Vorstand waren Siegmund
Weltlinger (1949-1970), Jeanette Wolff (1970-1976), Herbert A.
Tworoger (1976-1981), Klaus Scheurenberg (1981-1990) und seit
1990 Jael Botsch-Fitterling. Ihr Stellvertreter ist seit 1992
Herrmann Simon.
In ihrem Artikel in der Festschrift Im Gespräch -
50 Jahre Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit
in Berlin e. V." erklärt Jael Botsch-Fitterling, daß
in der Berliner Gesellschaft das Bewußtsein für die
Spannungen zwischen Juden und Christen immer wach gewesen sei.
Sie würde sich in diesem Kreis deshalb seit siebzehn Jahren
(ab 1982 erst als stellvertretende jüdische Vorsitzende)
engagieren, weil er keine Vermischung, sondern das verständnisvolle
Nebeneinander der Religionen anstrebe und gegen Diskriminierung
- für Solidarität mit Minderheiten eintrete. Sie wolle
helfen, solidarisches Zusammenleben der Menschen einer
Verwirklichung näher zu bringen".
Bis in die 70er Jahre hatte die Gesellschaft starkes politisches
Gewicht, zumal hochstehende Persönlichkeiten, nicht nur
im Vorstand, sondern auch im Kuratorium vertreten waren. Bekannt
geworden ist sie vor allem durch die von ihr in Berlin seit 1952
alljährlich durchgeführte Woche der Brüderlichkeit".
Unter anderen traten hier Regierende Bürgermeister wie Ernst
Reuter und Klaus Schütz, aber auch Rabbiner wie Nathan Peter
Levinson auf, der von 1965-1985 jüdischer Vorsitzender des
Deutschen KoordinierungsRates (DKR), des Dachverbandes der GCJZ
Deutschland, war. Einen guten Überblick über die immer
wieder wechselnden Auffassungen der verschiedenen Vorstände
von den Aufgaben der GCJZ Berlin gibt der Artikel in der bereits
erwähnten Festschrift von Herausgeber Ulrich Werner Grimm.
Ihr erklärtes Hauptziel war aber immer die Aussöhnung
zwischen jüdischen und nichtjüdischen Deutschen. Politische
Anerkennung dafür erfuhr sie 1952, als Bundeskanzler Konrad
Adenauer einen Wiedergutmachungsvertrag durchsetzte, um durch
diesen Ausdruck politisch-moralischer Verpflichtung Westdeutschlands
die Wiedererlangung staatlicher Souveränitat vorzubereiten.
Als die amerikanischen Gründerväter ihre finanzielle
Unterstützung einstellten, entschied Adenauer, daß
die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit
und ihren Dachverband vom Bund und von den Ländern finanziert
werden sollen.
Seit ihrem Höhepunkt 1963, als ihr in Berlin 1146 Mitglieder
angehörten, ist ihr Einfluß jedoch beständig
gesunken. Heute hat sie in Berlin nur noch 275 zahlende Mitglieder
und rund 350 Interessenten. Dennoch sind die Ziele der Gesellschaft
unbestreitbar nach wie vor aktuell, gerade durch die seit der
Wiedervereinigung spürbare Zunahme von Fremdenfeindlichkeit
und Rechtsradikalismus.
Um diese Ziele zu erreichen, veranstaltet sie Vorträge,
Exkursionen, Besuche von Theaterstücken und Ausstellungen.
Den religiösen Dialog fördert sie als Mitveranstalter
des Ständigen Arbeitskreises für Juden und Christen.
Erst kürzlich wurde ein Jour fixe eingeführt. Alle
zwei Monate treffen sich hier Mitglieder und Interessenten zum
Meinungsaustausch.
Wo könnten sich nun jüdische Interessenten wiederfinden?
Ein wichtiges Thema wäre zum Beispiel eine jüdische
Auseinandersetzung mit den christlichen Feiertagen. In der Jüdischen
Grundschule oder Oberschule findet sie jedenfalls nicht statt.
Ein anderes Thema wäre das Leben in einer christlich-jüdischen
Lebensgemeinschaft. Der frühere Vorsitzende der Repräsentantenversammlung
Michael Bob und seine Frau Annett haben in der BZ ihren privaten
Weg der Koexistenz von Judentum und Christentum demonstriert
und damit einer weit verbreiteten Realität Ausdruck gegeben.
Unter Juden ist dieses Thema, siehe Rabbiner Berger, aus vielerlei
Gründen tabuisiert. Sie könnten für solche die
jüdische Gegenwart bestimmenden Themen und Diskussionen
in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit
genau das richtige Forum finden. Maya Zehden ist seit Januar 1999 Geschäftsführerin
der GCJZ Berlin Festschrift (Schutzgebühr 2.50 DM) und weitere
Informationen bei Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit, Laubenheimer Str. 19, 14197 Berlin, Tel: 821
66 83 / Fax: 82 70 1961 |