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Grußwort
Georg Kardinal Sterzinsky
Erzbischof von Berlin
Sehr herzlich grüße ich alle,
die den 50. Gründungstag der Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit in Berlin feierlich begehen. Dabei nehme ich neben
Juden und Christen aller Konfessionen auch jene in den Blick,
die sich zu einer anderen oder keiner Religion bekennen, aber
dennoch die christlich-jüdische Versöhnungsarbeit mit
Sympathie begleiten.
1949 wurden die Gesellschaften für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit unter dem Eindruck des Holocaust während
der nationalsozialistischen Herrschaft und der schrecklichen
Ereignisse des 2. Weltkriegs gegründet. Die Geschehnisse
der Pogrome und des Krieges dürfen nicht vergessen werden;
es ist nach wie vor notwendig, ihrer zu gedenken und daran zu
erinnern.
Gedenken und Erinnerung müssen freilich mit der Entschlossenheit
verbunden sein, daß sich derartige Feindseligkeiten und
solche Barbarei nicht wiederholen dürfen. Wirksam mahnt
jedoch nicht schon, wer gebetsmühlenartig Worte wiederholt,
sondern, wer phantasievoll sein Anliegen auf immer neue Weise
darstellt und Impulse für Versöhnung auslöst.
Ansätze für solches Gedenken und Mahnen sind zahlreiche
Veranstaltungen im Rahmen der jährlichen Woche der Brüderlichkeit*
und die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille.
Der christlich-jüdische Dialog muß aber in einer von
Beliebigkeit und Orientierungssuche gekennzeichneten Zeit noch
einen Schritt weitergehen. Er muß noch pointierter die
gemeinsamen Wurzeln des Glaubens herausstellen und durch eine
aufrichtige Gottesverehrung getragen werden. Auch müssen
sich die Dialogpartner weitherzig für Menschen anderer Religionen
und Weltanschauung, die für eine humane Gesellschaft eintreten,
öffnen. Der christlich-jüdische Dialog könnte
so zum Kristallisationskern einer Gesellschaft werden, die andere
nicht nur mühsam toleriert im Sinne einer Duldung, sondern
in ihrer Andersartigkeit akzeptiert und so zu einem echten Miteinander
führt.
Deshalb wünsche ich der Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit in Berlin engagierte Menschen, die sich das Anliegen
der Gesellschaft zu eigen machen, die tief und von Herzen in
ihrem Glauben verwurzelt sind und die zugleich offen und kreativ
das Miteinander und nicht bloß das Nebeneinanderher suchen.
Darin liegt die Zukunft des christlich-jüdischen und letztlich
allen gesellschaftlichen Dialogs.
* Ich frage auch hier: Müßte
sie nicht nach heutigem Sprachempfinden in Woche der Geschwisterlichkeit"
umbenannt werden? |