Grußwort

Eberhard Diepgen
Regierender Bürgermeister von Berlin

 

 

 

 

Vor 50 Jahren wurde die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. gegründet. Wie in anderen Städten der gerade neu entstandenen Bundesrepublik wollten Männer und Frauen aus der schrecklichen Vergangenheit Konsequenzen ziehen. Nie wieder sollte sich auf deutschem Boden und in deutschem Namen ereignen, was in der Zeit der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft von 1933 bis 1945 geschehen ist. Unter dem niederschmetternden und manchmal auch zur Verzweiflung treibenden Schock, den bei Kriegsende viele angesichts der barbarischen Greueltaten der Nationalsozialisten erlitten, im Wissen um die Ermordung 6 Millionen europäischer Juden wagten im Jahre 1949 Christen und Juden, behutsam Brücken zu bauen. Sie setzten damit ein Zeichen, das aufhorchen ließ.
Auch heute ist die Aufgabe der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit unvermindert aktuell. Menschen aus 180 Staaten leben in unserer Stadt zusammen. Die Aufgabe, Menschen verschiedener Herkunft, Weltanschauung und Religion zu integrieren, stellt sich daher in Berlin mit bleibender Dringlichkeit. Ohne Toleranz und gegenseitige Verständigung ist ein friedliches Zusammenleben nicht möglich.
Ich begrüße daher, daß die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit künftig auch die muslimischen Gemeinschaften in den Dialog einbeziehen will. In Berlin leben rund 240 000 Menschen aus muslimisch geprägten Ländern. Das Gespräch mit ihnen über die gemeinsamen Wurzeln der monotheistischen Religionen könnte helfen, Vorurteile abzubauen und mehr Verständnis füreinander zu schaffen. Damit wird jedwedem religiösen Fundamentalismus der Boden entzogen. Für das Land Berlin und seine Bewohner wäre das ein großer Gewinn.
Zum 50. Gründungstag möchte ich der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und ihren Mitgliedern für die geleistete Arbeit und das vielfältige Engagement danken. Ich hoffe, daß Sie auch in der Zukunft den Dialog unter den monotheistischen Religionen nach Kräften befördern und so ein lebendiges Zeichen für Toleranz in unserer Stadt setzen.