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Pessach / Ostern – Geschichte(n) von Tod und
Leben
von
Pfarrerin
Johanna Melchior
Gelobt seist
DU, EWIGER, unser GOTT, König der Welt, der uns am Leben erhält und
bewahrt und uns diese Zeit erreichen lässt.
Am Beginn der
großen Festtage betet Israel mit diesen Worten. Worte, die vor Augen
halten und in das Herz schreiben, was zwischen GOTT und Mensch
geschieht: ER bewahrt Leib und Leben und führt durch die Zeiten. Der
Weg durch das Leben führt immer wieder neu hin zu Momenten des
Innehaltens und Vergewisserns, wie das Leben, wie das Leben an der
Seite GOTTES geschieht.
Pessach
– Fest der Befreiung, Herausführung aus der Knechtschaft, Beginn
eines Weges und des Lernens: Ich bin frei. Nicht nur
unsere Eltern hat GOTT erlöst, sondern uns mit ihnen … Jede
Generation soll sich sehen, als ob sie selbst aus der Knechtschaft
geführt wurde …
Befreiung aus der
Knechtschaft ist kein Geschehen der Vergangenheit, das in
Gedenkfeiern ritualisiert würde. Befreiung aus der Knechtschaft ist
tägliches Erleben. So wie das Lernen, was heißt denn „frei sein“
eigentlich, eine täglich neue Herausforderung ist.
Sklaverei,
Knechtschaft – einst und jetzt. Vielfältige und immer neue Bindungen
und Verstrickungen – einst und jetzt. Leben ist eingeengt, kann sich
nicht entfalten, verkümmert, stirbt ab. GOTT führt heraus – einst
und jetzt.
Israel
vergegenwärtigt sich seiner Befreiung. Israel vergegenwärtigt und
verinnerlicht das Lernen: frei sein ist eine tagtägliche
Herausforderung.
Der große Beginn
des Pessachfestes, der Sederabend, in diesem Jahr fällt er mit dem
Karfreitag zusammen. Ein Abend, geordnet im Ablauf, vertraut dank
der Wiederholungen, die die Lebensjahre mit sich bringen. Das Kind
fragt: Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen … Die
Frage des Kindes bringt die Erwachsenen zum Erzählen … Knechte
waren wir … GOTT hat uns herausgeführt … Das Kind wird erwachsen
und wird einst selbst die Fragen der Jüngeren beantworten. Gebunden
sein und frei werden, frei sein … Das Leben bewahrt, nicht dem Tode
preisgegeben. Frei, nicht dem Verkümmern in Knechtschaft
preisgegeben ... Ein Leben lang begleiten diese Gedanken, diese
Worte, dieses Erleben …
In diesem Jahr
wieder zeitgleich: Pessach und Ostern.
Auf-Er-Stehen und
Leben. GOTT weist den Tod in die ihm gebührenden Schranken.
Auf-Er-Stehen –
einst und jetzt. In GOTTES Zukunft wartet das Wunder auf uns. Und
doch erleben Menschen auch in ihren Lebzeiten das alltägliche Wunder
des Aufstehens in neuer, in erneuerter Kraft. Ein Vorgeschmack des
Künftigen. Ein Erleben des Gegenwärtigen. Mit GOTTES Hilfe ist Kraft
da. Mit GOTTES Kraft geht es gegen die lähmende Kraftlosigkeit, die
lähmende Hoffnungslosigkeit, die lähmende Mutlosigkeit. Lähmung kann
das Herz zum Stillstand bringen, das bedeutet den Tod … GOTTES Kraft
steht den Lähmungen entgegen, ER ruft in das Leben, ER ruft in die
Freiheit, ER führt und bewahrt.
Gelobt seist
DU, EWIGER, unser GOTT, König der Welt, der uns am Leben erhält und
bewahrt und uns diese Zeit erreichen lässt.
Informationen zu
Pessach:
www.hagalil.com – Hintergrund – Jüdische Religion - Feiertage
Pfarrerin Johanna Melchior,
April 2012
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