Was ist aus dem Versprechen „Nie wieder“ geworden?

Von | 2020-02-21T13:11:08+01:00 21. Februar 2020|Pressemitteilungen|

Zum rechtsextremen Terroranschlag in Hanau

Tief erschüttert trauern wir um die Menschen, die in Hanau Hass und Gewalt zum Opfer gefallen sind und fühlen mit den Angehörigen.
Zum wiederholten Mal wurden aus offenbar rassistischen Motiven Menschen getötet, zum wiederholten Mal wird überdeutlich, dass Deutschland 75 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur mit rechtsextremem Terror zu kämpfen hat.  Wir fragen uns: Was ist aus dem Versprechen „Nie wieder“ geworden?
Vielfach wird wieder der Satz zu hören sein, dass Hass, Antisemitismus, Rassismus und Gewalt keinen Platz bei uns habe.
Wir müssen endlich erkennen: dieser Hass hat sehr wohl Platz bei uns, er ergreift immer mehr Raum bis in die sog. Mitte der Gesellschaft in Sätzen wie „Ich habe ja nichts gegen Muslime, aber… ich habe ja nichts gegen Juden, aber…“
Vorurteile und Hass beginnen im Kopf, finden Ausdruck in Worten und enden in physischer Gewalt. Gleichgültigkeit und Empathielosigkeit gegenüber Menschen, die als „anders“ markiert werden, bereiten den Boden für Herabwürdigung und Ausgrenzung. Viele Menschen, die einer Minderheit in Deutschland angehören, können sich nicht mehr sicher fühlen. Dabei wissen wir aus der Geschichte: was mit dem Hass auf eine Gruppe beginnt, wird am Ende niemanden verschonen. Die Gewalt in Hanau ist trauriger Beweis für die brutale Konsequenz des Giftes, das rechtsextreme Kreise gestreut haben.
„Tu deinen Mund auf für die anderen“ lautet unser Jahresthema. Wir alle müssen unsere Stimme erheben – und nicht nur das. Der Raum, den Hass und Gewalt bereits unter uns ergriffen hat, er muss aktiv und entschlossen zurückerobert und besetzt werden: Mit Empathie, mit Begegnung und Dialog, mit Herz und Verstand, für ein friedliches und gerechtes Miteinander für alle in unserem Land und weltweit.  Dafür stehen der DKR und seine Mitgliedsgesellschaften seit über 70 Jahren.

Bad Nauheim, 21. Februar 2020

Rabbiner Andreas Nachama, Jüdischer Präsident
Margaretha Hackermeier, Katholische Präsidentin
Pfarrer Friedhelm Pieper, Evangelischer Präsident
Pfarrerin Ilona Klemens, Generalsekretärin