STÄNDIGER ARBEITSKREIS VON JUDEN UND CHRISTEN IN BERLIN

26. Februar - 17. Juni 2004


Der Ständige Arbeitskreis von Juden und Christen in Berlin wird getragen von der Evangelischen Akademie zu Berlin, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Berlin und der Jüdischen Volkshochschule Berlin.

Zeit:     Jeweils donnerstags, 18:30 Uhr
Ort:      
Jüdisches Gemeindehaus, Fasanenstraße 79, 10623 Berlin-Charlottenburg
Eintritt: 3 €


Programm Februar - April 2004:

"Meine Worte sind Vögel mit Wurzeln"   (Hilde Domin)

"Gedichte sind einer der kürzesten Wege von Mensch zu Mensch", hat Hilde Domin gesagt,
eine der deutsch-jüdischen Lyrikerinnen, die wir in diesem Quartal würdigen wollen.
Sie zählen zu den bedeutendsten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. Dies ist ein Wunder angesichts des katastrophalen Bruchs jüdischen Schreibens in deutscher Sprache und ein Zeichen des widerständigen Trotzdem und der verzweifelten Hoffnung, dass nach 1945 "Dichten noch möglich sei" (Rose Ausländer).
Die Lyrik der Dichterinnen dieser Reihe ist gekennzeichnet von Verfolgung, Exil und Heimatlosigkeit, aber auch von der Sehnsucht, das geschändete Wort wieder gebrauchen, in ihm Heimat finden zu können.
Mit ihrer Sprachsuche wollen sie im eingedenkenden Erinnern für das Schicksal Verfolgter sensibilisieren und die Katastrophe des 20. Jh.s aufbewahren. Dabei wirken sie als Vertreterinnen deutsch-jüdischer Literatur - im Jahrhundert ihrer versuchten Ausrottung - in beeindruckender Vielfalt und Schönheit als Zeugen von Wahrhaftigkeit und Humanismus in einer Sprache, die als das letzte, unabnehmbare Zuhause spürbar wird.

Donnerstag  26. Februar  2004
   Prof. Dr. Gunter Holtz
   Eine "lyrische Passion" -
   Shoah als Thema im Werk von Nelly Sachs (1891 Berlin - 1970 Stockholm)

Donnerstag  11. März  2004
   PD Dr. Sonja Hilzinger
   Das Wort als Heimat -
   
Zur Lyrik von Rose Ausländer (1901 Czernowitz - 1988 Düsseldorf)

Donnerstag  25. März  2004
   Dr. Barbara Breysach
   
An den Rändern der Sprache -
   
Die Lyrikerin Ilse Aichinger (*1921 Wien)
 


 Programm April - Juni 2004:

"Ein Bethaus für alle Völker"   Jesaja 56,7
Der Tempel und sein Verlust in biblischer, jüdischer und christlicher Sicht

Ob es in Israel einen Tempel geben soll, das ist in der hebräischen Bibel höchst umstritten.
Kann der, der Himmel und Erde gemacht hat und den alle Himmel nicht fassen können an einem bestimmten Ort auf der Erde dingfest gemacht werden? Wieso bindet sich der himmelweit überlegene Gott freiwillig an ein bestimmtes Volk und an ein bestimmtes Land? Warum macht sich Gott für Menschen erreichbar ? Wie kann es sein, dass der Tempel ein Bethaus und ein Lehrhaus für die Völker ist? Und was bedeutet es, wenn der Tempel zerstört wird?

Das Tempelpersonal, die Priester und das Priestertum sind höchst umstritten. Es gibt sowohl die detaillierten Anweisungen zur Opferpraxis als auch scharfe Kritik daran. Statt Opfer wird Barmherzigkeit gefordert (Psalmen, Propheten).

Nach der Zerstörung des Tempels gibt es jüdische und christliche Versuche, mit dem Verlust fertig zu werden. Der Umgang mit dem Verlust im Neuen Testament geschieht dadurch, dass man den Tod Jesu als abschließendes Opfer deutete und den Tempel als Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch durch Jesus ersetzte, dessen Leib zum Tempel wurde (Joh. 2,21). Schon im Neuen Testament, mehr aber in der christlichen Theologie wurde die Zerstörung des Tempels im Jahr 70 triumphal gedeutet als Beweis für die Verwerfung Israels und seine Ersetzung durch die Kirche.

Donnerstag  15. April  2004
    Prof. Dr. Peter Welten
   "Dem Namen des HERRN, des Gottes Israels, ein Haus bauen"   1. Könige 8,17.
    Der Tempel und seine Symbolik

Donnerstag  29. April  2004
    Rabbiner Walter Rothschild
   "Ich habe Gefallen an Barmherzigkeit, nicht am Opfer"    Hosea 6,5.
    Tempelkritik bei den späteren Propheten

Donnerstag  13. Mai  2004
    Prof. Dr. Peter von der Osten-Sacken
   "Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, das meines Vaters ist?"    Luk. 2,49.
    Die Bedeutung des Tempels bei Lukas

Donnerstag  3. Juni  2004
    Prof. Dr. Rainer Kampling
   "Hat denn Gott sein Volk verstoßen?"    Römer 11,1.
    Die Bedeutung der Tempelzerstörung für die Christologie

Donnerstag  17. Juni  2004
     Esther Kontarsky
   "Mache mir ein Heiligtum und ich werde darin wohnen"
  2. Buch Mose 25,8
    Tempel und Tempelverlust im Talmud