71. Jahrestag der Pogrome vom 9./10. November 1938

Veranstaltungen - Erklärungen - Hinweise

 

Veranstaltungen
in Berlin und Potsdam

Die Auswahl der Veranstaltungen stellt keine Wertung dar, sondern ist allein bedingt durch den derzeitigen Informationsstand. Wir freuen uns über ergänzende Hinweise auf weitere Veranstaltungen.

 
Filmdokumentation

TOP


Dokumentarfilm

„WAS BLEIBT“’ (2008)

Rekonstruktion zweier Familienbiographien -
Gespräch mit den Filmemacherinnen Gesa Knolle und Birthe Templin

Sonntag, 8. November 2009,
15.30 Uhr

Haus der Wannsee-Konferenz - Gedenk- und Bildungsstätte

Am Großen Wannsee 56 - 58, 14109 Berlin

Tel.: (030) 80 50 01-0/(030) 80 50 01-36 (Frau Kleiber)

Fax: (030) 80 50 01-27

eMail: info@ghwk.de

Internet: www.ghwk.de

Verkehrsverbindungen:

S-Bahn Linie S1 und S7 oder RegionalExpress (Deutsche Bahn) bis Bahnhof Berlin-Wannsee, dann Bus 114 bis Haltestelle „Haus der Wannsee-Konferenz“.
 

„WAS BLEIBT“ ist der erste Dokumentarfilm, der die familieninterne Auseinandersetzung mit dem Holocaust sowohl auf der Seite der Täter, wie auch der Opferseite beleuchtet. Der Film spiegelt fast 70 Jahre deutscher Geschichte wider und stellt zwei Frauen vor, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Erna, die mit 19 Jahren ihre Mutter nach Auschwitz begleitet, in der Hoffnung, sie dort schützen zu können; Dietlinde, die erst 40 Jahre nach dem Kriegsende erfährt, dass ihre Mutter Aufseherin im KZ Ravensbrück war.

Der Film bezieht auch die weiblichen Familienmitglieder der zweiten und dritten Generation mit ein, die mit konträren Voraussetzungen die direkten und indirekten Auswirkungen der Epoche des Nationalsozialismus auf ihr eigenes Leben formulieren. Durch eine geschickte Montage entstehen Dialoge: zwischen Eva, der Enkelin der KZ-Aufseherin und Rebecca, der Enkelin einer ehemaligen Lagerinsassin, oder auch zwischen der Überlebenden Erna und ihrer Tochter Ruth. Neben der Abgrenzung werden biographische Schnittstellen deutlich. Die Frauen erzählen reflektiert, nachdenklich und manchmal auch ratlos über sich. Der Film gibt ihnen Zeit zur Selbstdeutung ihrer Kindheitserfahrungen und Gefühle, ihres eigenen Erziehungsstils, der Kommunikation und Tradierung in der jeweiligen Familie. Der Zuschauer erfährt eindrücklich, wie die historische Erfahrung von Gewalt und Ausgeliefertsein, Macht und Ohnmacht in den Familienbiographien präsent ist und wie jeder dieser Frauen hierzu immer wieder eine Position abverlangt wird - als Signatur der gelebten Gegenwart.

 

Gesa Knolle: freie Autorin und Regisseurin, studierte Regie am Edinburgh College of Art, Realisierung verschiedener Kurzfilme, arbeitet z. Zt. an der Entwicklung ihres ersten Spielfilms

Birthe Templin: freie Autorin und Regisseurin, Filmstudium bei PANICO (London) und der Westminster University/London. Realisierung verschiedener Kurz- und Dokumentarfilme, z. Zt. eines Spielfilmes

TOP


TOP


Gedenkveranstaltung zum 71. Jahrestag der Pogrome vom 9./10. November 1938

Montag, 9. November 2009,

18.00 Uhr

Jüdisches Gemeindehaus

Fasanenestr. 79/80

10623 Berlin

Download

TOP


Initiative Haus Wolfenstein e.V.

Zum Jahrestag der Reichspogromnacht
Gedenken an der Spiegelwand
Berlin-Steglitz, Hermann-Ehlers-Platz

Montag, 9. November 2009
15.30 Uhr



und

 

TOP


Kindertransporte - Erinnerungen von Überlebenden


TOP

Erklärungen

Mit Bestürzung und Trauer
Gemeinsame Erklärung (2008)
des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, und
des Vorsitzenden des Rates der EKD, Bischof Dr. Wolfgang Huber,
zum 70. Jahrestag der November-Pogrome

Der 9. November ist ein denkwürdiges Datum in der deutschen Geschichte. Im Jahre 1918 wurde an diesem Tag die Republik ausgerufen. Für uns Heutige ist vor allem der 9. November 1989 mit lebhaften Erinnerungen verbunden – der Tag, an dem die Berliner Mauer geöffnet und ein neues Kapitel der Freiheit und Einheit in Deutschland aufgeschlagen wurde. Im Jahr 2008 aber muss unser Blick sich in besonderer Weise auf die dunkelste Epoche unserer Geschichte richten. Während die Jahrestage 1918 und 1989 deutsche und europäische Aufbrüche der Freiheit und des Rechts symbolisieren, steht der 9. November 1938 für Hass und Gewalt, für Niedertracht und das Erblinden des Gewissens. Er war ein Widerruf jener Freiheitsversprechen, mit denen die erste deutsche Republik einst angetreten war, und bedeutete für die deutschen Juden, dass sie keine sichere Heimstatt im eigenen Lande mehr besaßen.

In den November-Pogromen von 1938 wurden wehrlose Menschen gedemütigt, gepeinigt und ermordet, Gotteshäuser geschändet und zerstört. Die schrecklichen Bilder von brennenden Synagogen haben sich in unser Gedächtnis gebrannt. Sie lehren auch heute: Wo es keinen Respekt vor dem Heiligen und dem für den menschlichen Zugriff Unverfügbaren gibt, dort gibt es auch keinen Respekt vor den Menschen.

Die Pogrome waren nicht nur bewusst geplant, sondern ihnen gingen auch Jahre der propagandistischen und politischen Vorbereitung voraus – eine Zeit der offenen antisemitischen Hetze, der systematischen rechtlichen Ausgrenzung, menschenverachtenden Diskriminierung und Verfolgung. Die November-Pogrome waren zugleich der Auftakt zum Holocaust, zu einer Epoche ungeahnter Zerstörung und Vernichtung, an deren Folgen Europa, die Welt und vor allem die jüdische Gemeinschaft noch heute zu tragen haben.

Unzählige Menschen sind Opfer des Nationalsozialismus geworden. Anlässlich der Pogrome des Jahres 1938 richtet sich unser Gedenken besonders auf die Juden, deren systematische Verfolgung und Ermordung ein beispielloses Menschheitsverbrechen darstellen. Ihr Leiden, ihre Einsamkeit und ihre Verzweiflung angesichts einer Gewaltmaschinerie, die mit Demütigung und Entrechtung begann und mehr und mehr von absolutem Vernichtungswillen angetrieben wurde, erfüllen uns mit Bestürzung und Trauer.

Die offen zur Schau gestellte Gewalt des November 1938 fand in der deutschen Bevölkerung weniger Rückhalt als die rechtliche Diskriminierung, der die Juden seit 1933 ausgesetzt waren. Doch es gab viel schweigendes Zuschauen und achselzuckendes Hinnehmen. Neben den Schlägern, Brandschatzern und Marodeuren sowie jenen, die ihnen verdeckt oder gar offen lebhaften Beifall zollten, gab es nicht wenige, die der Anblick des staatlich verordneten Terrors irritierte; eine grundsätzliche Erschütterung des Vertrauens in den nationalsozialistischen Staat war damit allerdings meist nicht verbunden. Und es gab auch die – gerade auch in den christlichen Kirchen –, die die Gewalttaten entschieden ablehnten, jedoch in Furcht und einem Gefühl der Ohnmacht verharrten. Aber es war auch die Stunde jener Wenigen, die den Zerstörungen Einhalt gebieten wollten und den Bedrängten Unterschlupf gewährten.

Als Christen und Kirchen erinnern wir uns dankbar des katholischen Priesters und Berliner Dompropstes Bernhard Lichtenberg, der am Abend des 9. November 1938 öffentlich für die Juden und die nichtarischen Christen betete und dafür wegen volksfeindlicher Hetze angeklagt wurde. Seinen Weg an der Seite der Verfolgten hat er später mit dem Leben bezahlt. Ebenso berührt uns der Mut des evangelischen Pfarrers Helmut Gollwitzer, der in einer Predigt wenige Tage nach den Pogromen für die Verfolgten Stellung bezog und die Gemeinde in Berlin-Dahlem davon überzeugte, die Familienangehörigen inhaftierter Juden zu unterstützen. Das Zeugnis dieser und anderer Christen und Kirchenvertreter kann das Verzagen oder Versagen anderer nicht zudecken. Es erinnert uns immerhin daran, dass die Stimmen von Humanität und Nächstenliebe auch im Angesicht des schlimmsten Abgrundes der Unmenschlichkeit nie ganz verstummt sind.

Unsere Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938 würde ins Leere laufen, wenn wir sie nicht mit der Frage nach der praktischen Solidarität verbänden, die wir den in unserer Zeit zu Unrecht Verfolgten und den Opfern von Gewalt schulden. Leider sind Antisemitismus und Rassismus auch heute nicht überwunden. Auch in Europa prägen Ausgrenzung und Diskriminierung den Alltag vieler Menschen. Die Sünde der Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Anderen stirbt nicht aus. Allzu schnell legt sich der Schleier der Abgrenzung über unsere Augen und versperrt die Sicht auf das Antlitz des Nächsten. Jedem Menschen, gleich welcher Hautfarbe, Volkszugehörigkeit oder Religion, ist das Bild Gottes eingeprägt. Keiner darf preisgegeben werden. Davon in Wort und Tat Zeugnis abzulegen, sind wir als Christen in besonderer Weise gefordert. Die Erinnerung an die Schreckensnacht und ihre Folgen ist gerade auch heute, da die Zeitzeugen allmählich verstummen, von großer Bedeutung. Mahnt sie uns doch, alles zu tun, um eine Gesellschaft in Freiheit und gegenseitiger Achtung zu gestalten, die sich ihrer Verantwortung vor Gott und den Menschen stellt.

Quelle: http://www.dbk.de/aktuell/meldungen/01779/index.html

Download

 

TOP

 

Hinweise

Artikel
rbb online: Gedenken an Pogromnacht von 1938
http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2009_11/gedenken_an_pogromnacht.html
Zentralrat der Juden besorgt
http://www.news-adhoc.com/zentralrat-der-juden-besorgt-idna2009110863578/
Berliner Zeitung: Ein Mensch von Gottes Gnaden. Der 9. November ist auch das Datum der Pogromnacht 1938: Klaus Maria Brandauer erinnert an Dietrich Bonhoeffer und den Widerstand aus Zivilcourage (Ingeborg Ruthe)
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1109/feuilleton/0002/index.html

Deutsche Geschichte: 9. November
Informationen der

Der 9. November ist ein Datum, das für dramatische Umbrüche und Wendepunkte in der deutschen Geschichte steht. Die Ereignisse reichen von der emphatisch begrüßten Öffnung der Mauer im Jahr 1989 bis zu einem der schwärzesten Tage der Deutschen, den Judenprogromen 1938, grausamer Beginn der offenen Judenverfolgung und Auftakt des Holocausts.

Aus unserem Programm zu diesem Tag:
Hintergrund aktuell vom 6.11.2008:
Der 9. November in der deutschen Geschichte
www.bpb.de/themen/V8YTAG
 
9. November 1848:
Die Erschießung des Märzrevolutionärs Robert Blum in Wien
Revolution von 1848, [2006], (Bestellnummer 4265)
Informationen zur politischen Bildung
www.bpb.de/publikationen/01541471548432576123093477837078

Online-Dossier: Von der Paulskirche bis zur Verfassung von 1871
www.bpb.de/themen/9HFAFS
9. November 1918: Abdankung des Kaisers und Ausrufung der Republik
Weltkrieg und Revolution 1914-1918/19, [2008], (Bestellnummer 1710)
www.bpb.de/publikationen/X657D7
Weimarer Republik, [2003], (Bestellnummer 4261)
Informationen zur politischen Bildung
www.bpb.de/publikationen/P8C5HC

 
9. November 1918:
Novemberrevolution - Ausrufung der ersten deutschen Republik
www.bpb.de/themen/V8YTAG

 

9. November 1923:
Hitler-Ludendorff-Putsch in München

Nationalsozialismus I, [2003], (Bestellnummer 4251)
Informationen zur politischen Bildung
www.bpb.de/publikationen/08088896480389708701525882301191
Weimarer Republik, [2003], (Bestellnummer 4261)
Informationen zur politischen Bildung
www.bpb.de/publikationen/P8C5HC
 
9. November 1938:
Die Progromnacht markiert den Beginn der gewaltsamen Judenverfolgung
Online-Dossier: Ausbau des Führerstaates
www.bpb.de/themen/IHKOR2
Nationalsozialismus, [2007], (Bestellnummer 7714)
Aus Politik und Zeitgeschichte
www.bpb.de/publikationen/NDJZ93
Das Dritte Reich und die Juden, [2007], (Bestellnummer 1565)
www.bpb.de/publikationen/RMR7Z4
„Davon haben wir nichts gewußt“, [2006], (Bestellnummer 1557)
www.bpb.de/publikationen/R1ING2< /FONT>
 
9. November 1967:
Mit „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ entstand das Bild der 68er
Online-Dossier: Die 68er-Bewegung
www.bpb.de/themen/UEZYL5
1968, [2008], (Bestellnummer 7814)
Aus Politik und Zeitgeschichte
www.bpb.de/publikationen/SDDOVV
Jugendrevolte und globaler Protest 1968, [2008], (Bestellnummer 1699)
www.bpb.de/publikationen/YZZ074
 
9. November 1989:
Nach 28 Jahren öffnet die DDR die Berliner Mauer
Homepage Chronik der Mauer
www.chronik-der-mauer.de
Online-Dossier: Kontraste - Auf den Spuren einer Diktatur (auch als DVD)
www.bpb.de/themen/JIRGFC
Die Berliner Mauer – The Berlin Wall, [2007], (Bestellnummer 3968)
Zeitbilder
www.bpb.de/publikationen/JUVV4V
 
Überblicke über die deutsche Geschichte
Deutsche Geschichte von 1871 bis zur Gegenwart, [2006], (Bestellnummer 1523)
www.bpb.de/publikationen/WO8UFR
Schlaglichter der deutschen Geschichte, [2003], (Bestellnummer 1402)
www.bpb.de/publikationen/09848579163417402914678176196581
Das Jahrhundert der Bilder, [2008], (Bestellnummer 1734)
www.bpb.de/publikationen/X1U1U9
 

TOP

 
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. 
Laubenheimer Straße 19, 14197 Berlin - Tel.: 8216683 Fax: 82701961
Bankverbindung: Postgirokonto Berlin  -  Bankleitzahl 100 100 10  -  Kontonummer: 838-106