Grußwort des
Regierenden Bürgermeisters von Berlin,
Klaus Wowereit,
zur Woche der Brüderlichkeit 2004

Klaus Wowereit

Das Motto für die diesjährige Woche der Brüderlichkeit könnte besser nicht gewählt sein: Es lautet "Verantwortung: ich-du-wir" und ruft die Angehörigen aller Konfessionen zum Dialog im Zeichen von Toleranz und gegenseitigem Verständnis auf.

Damit greift die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ein hochaktuelles und drängendes Problem auf. Denn auch in unserer Gesellschaft haben dumpfe Vorurteile wieder Konjunktur, es wird wieder von wachsendem Antisemitismus und Anti-Islamismus gesprochen. Und damit wächst auch die Gefahr der Ausgrenzung. Unser Ziel muss aber Integration sein. Wir brauchen das vertrauenstiftende Gespräch zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen, das voraussetzt, dass sich alle gegenseitig als Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt respektieren, ob Juden, Christen, Muslime oder Angehörige anderer Religionen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Juden diskriminiert werden und dass sich Muslime ins kulturelle Milieu ihrer Herkunftsländer zurückziehen, wo sie dem Einfluss radikaler Fundamentalisten schutzlos ausgesetzt sind.

"Verantwortung: ich-du-wir" heißt: Partei zu ergreifen für den anderen, kulturelle Unterschiede zu akzeptieren, aber auch kritisch zu hinterfragen, ohne dabei die Grundwerte der christlich-jüdischen Ethik aus dem Auge zu verlieren, die auch die Grundwerte unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft sind:  Offenheit, Liberalität und Toleranz.

In diesem Sinne wünsche ich der Woche der Brüderlichkeit viele anregende Begegnungen und Gespräche

Klaus Wowereit
Regierender Bürgermeister von Berlin