STÄNDIGER ARBEITSKREIS
VON JUDEN UND CHRISTEN IN BERLIN
  
                      23. Februar - 6. Juli 2006

Der Ständige Arbeitskreis von Juden und Christen in Berlin wird getragen von der Jüdischen Volkshochschule Berlin, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin
und der Evangelischen Akademie zu Berlin.
Der Ständige Arbeitskreis von Juden und Christen in Berlin lädt ein zu fünf Abenden.

Zeit:     jeweils donnerstags, 18:30 Uhr
Ort:      
Jüdisches Gemeindehaus, Fasanenstraße 79, 10623 Berlin-Charlottenburg
Eintritt: 3 €


Programm   Februar - März 2006:

Kirche und Israel - des Bundes Genossen?
Christen und Juden nach 1945
Zwei Abende im Jüdischen Gemeindehaus

"Gespräche nach Abels Ermordung" -
so hat Martin Stöhr einen Vortrag über das christlich-jüdische Verhältnis nach 1945 überschrieben: Leider erst nach der Katastrophe hat unter Christen, zunehmend auch in ganzen Kirchen, ein Umdenken und ein Umkehren in ihrem Verhältnis zum jüdischen Volk begonnen: neue Begegnungen, neues Forschen, neues Fragen. Mehr und mehr wurde dabei bestürzend deutlich: es war nicht nur ethisches Versagen, dass Christen während der Verfolgung und Ermordung der Juden Europas bereitwillige Mitmacher oder tatenlose Zuschauer oder Wegschauer waren. Hinter diesem ethischen Versagen steckte ein massives Problem der christlichen Glaubenslehre: das Selbstverständnis der christlichen Kirche als neues Israel, neues Gottesvolk, Ersetzung und Ablösung des jüdischen Volks als Gottes Bundespartner. Fast das ganze christliche Selbstverständnis beruhte darauf, dass der Alte Bund veraltet ist; dass es Juden jedenfalls als Juden gar nicht mehr geben dürfte, weil sie Christen hätten werden müssen. Es geht also im christlich-jüdischen Verhältnis nicht um Toleranz oder deren Mangel, sondern um das christliche Selbstverständnis im Ganzen und seine Revision.
Die Entdeckung, dass Gott seinen Bund mit Israel nicht gekündigt hat, erforderte ein entsprechend revidiertes Selbstverständnis der Kirche als Neuling im selben Bund; der Christen als Judengenossen aus den Völkern. Einige Stationen dieses wichtigen, schmerzlichen und befreienden Lernprozesses sollen in diesem Quartal vorgeführt werden.

Donnerstag  23. Februar 2006
18:30   Cord Hasselblatt
           Ein Bekenntnis zu Jesus, dem Juden
           Der Synodenbeschluss der Evangelischen Kirche im Rheinland, 1980

Donnerstag   9. März 2006
18:30   Prof. Dr. Günther Baumbach
           Prof. Dr. Peter von der Osten-Sacken
           "Eine Judenmission lehnen wir ab."
           Synodalbeschlüsse der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, 1984 und 1990




Programm   April - Juni 2006:

Was Juden von Christen denken
Fünf Abende im Jüdischen Gemeindehaus

Zu den grundlegenden, immer wieder wiederholten Überzeugungen im christlich-jüdischen Gespräch gehört die Beobachtung einer Asymmetrie zwischen den Gesprächpartnern: wer Jüdin oder Jude ist, braucht sich zur eigenen Orientierung in Glaube und Praxis nicht für das Christentum zu interessieren; wer Christin oder Christ wird, gerät schon durch die Bibel in irgendein Verhältnis zu Juden und zum Judentum - sei es ein polemisches, ein solidarisches, ein lernbereites -, kann Israel jedenfalls nicht ignorieren.
Aber stimmt das wirklich?
Ob man nun Judentum und Christentum als Mutter- und Tochterreligionen beschreibt oder als Geschwisterreligionen, die sich von gemeinsamen biblischen Grundlagen in sehr verschiedene Richtungen entwickelt und einander entfremdet haben: es ist schwer vorstellbar, dass sich eine Mutter für ihre Tochter gar nicht interessiert, selbst wenn sie sie für missraten, verirrt und weitab vom Stamm hält; es ist auch nicht wahrscheinlich, dass Geschwister einander vollständig ignorieren, selbst wenn es zwischen ihnen zu Streit, Rivalität und Fremdheit gekommen ist.
Nachdem wir im vergangenen Quartal der Frage nachgegangen sind, was sich im christlichen Verhältnis zu Juden und Judentum seit 1945 geändert hat, blicken wir nun in die andere Richtung, beschäftigen uns mit jüdischen Denkern, die sich doch mit dem jüdisch-christlichen Verhältnis beschäftigt haben, und am Ende mit einem Dokument, dem Dabru emet, in dem zahlreiche amerikanische Rabbiner unsere Frage des letzten Quartals emphatisch positiv beantworten:
Ja, es hat sich Grundlegendes geändert im Verhältnis der Christen und Kirchen zu den Juden,
und das sollte jüdisch gewürdigt werden.


Donnerstag   27. April 2006
18:30    Über Franz Rosenzweig

Donnerstag   18 Mai 2006
18:30    Über Martin Buber

Donnerstag   8. Juni 2006
18:30    Über Leo Baeck

Donnerstag    22. Juni 2006
18:30    Über David Flusser

Donnerstag   13. Juli 2006
18:00    Über die Erklärung Dabru Emet