Grußwort
des Erzbischofs von Berlin
Georg Kardinal Sterzinsky
2007
 

Auch in diesem Jahr gilt mein Gruß allen, die sich anlässlich der Woche der Brüderlichkeit versammeln. Die Woche folgt dieses Mal dem Leitgedanken "Redet Wahrheit". Damit bezieht sie sich auf den Propheten Sacharja, der davon spricht, dass der Herr der Heere sein Volk retten will und von ihm zuerst erwartet, dass es untereinander die Wahrheit sagt (Sach 8,16). Bekannt geworden ist dieses Zitat in seiner hebräischen Urfassung "Dabru Emet" als Überschrift einer einseitigen Anzeige in der New York Times und der Baltimore Sun am 10. September 2000. Darin übermittelten amerikanische Rabbiner eine viel beachtete und heftig diskutierte jüdische Stellungnahme zu Christen und Christentum. Sie reagierten damit auf eine veränderte Sicht der Kirchen im Blick auf das Judentum, wie sie auf römisch-katholischer Seite durch das Dekret des II. Vatikanischen Konzils "Nostra aetate" und nachfolgende Dokumente ausgedrückt wird.

Der Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit als Hauptanliegen der Woche der Brüderlichkeit braucht eine solche theologische Grundlegung auf christlicher wie jüdischer Seite. Juden werden sie in ihrer Gemeinschaft erarbeiten, Christen in ihren Kreisen; beide aber auch im Miteinander, damit im interreligiösen Dialog Vorurteile und Missverständnisse überwunden werden können.

Ein wichtiger Schritt zu solcher Verständigung war bei uns in Deutschland eine Begegnung, die am 9. März des vergangenen Jahres in der Katholischen Akademie Berlin erstmalig zwischen Vertretern des Vatikans und des deutschen Episkopats auf der einen und der Deutschen Rabbinerkonferenz auf der anderen Seite stattgefunden hat.

Mögen die genannten Vorgänge und die Woche der Brüderlichkeit Juden und Christen helfen, bei Wahrung der eigenen Identität das Gemeinsame zu entdecken und, wo gemeinsames Tun möglich ist, es auch zu tun.

Georg Kardinal Sterzinsky
Erzbischof von Berlin

Foto: Erzbischöfliches Ordinariat

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