Grußwort
des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche
in Deutschland
Wolfgang Huber
2007
 

"Redet Wahrheit"

Im Epheserbrief des Neuen Testaments heißt es klar und deutlich: "Legt die Lüge ab und redet die Wahrheit". Klar und unzweideutig ist auch die Begründung: Wer in der Gemeinschaft mit anderen Menschen leben will, kann das nur auf der Grundlage der Wahrheit tun. Wer einem anderen Menschen die Wahrheit verweigert, betrachtet ihn nicht als Glied in ein und derselben Gemeinschaft; er sieht in ihm nur ein Mittel, das zu bestimmten Zwecken eingesetzt wird. Die Wahrheit anzuerkennen heißt, den anderen Menschen als Person zu achten. Meines Erachtens gefährdet nichts die menschliche Gemeinschaft mehr als der manipulative Umgang mit der Wahrheit. Denn wie soll gemeinsames Leben und Arbeiten möglich sein auf einer Grundlage, auf der man sich wechselseitig den Willen und die Bereitschaft zur Wahrheit bestreitet?

Den Veranstaltern der diesjährigen "Woche der Brüderlichkeit" danke ich dafür, dass sie die Aufforderung zur Wahrheit zum Leitthema erkoren haben. Im Dialog der Kulturen sind wir ebenso auf Klarheit und gute Nachbarschaft angewiesen wie auf die Verpflichtung zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit.

Der christliche Glaube sagt in seinem Kern: Du brauchst dich nicht unausgesetzt mit Dir selbst zu beschäftigen, weil du weißt, dass Gott sich mit dir beschäftigt. Dass Gott sich uns zuwendet, nur das, macht uns neu. Im Vertrauen auf diese Zuwendung Gottes erkennen wir uns als von Gott geliebte, angenommene und zur Wahrheit befähigte Menschen.

Unser Verständnis für das Gespräch zwischen den einander fremd gewordenen Kindern Abrahams, für eine tragfähige soziale Ordnung, die auch das Fremde, Andersartige als Gabe und Aufgabe begreift, bemisst sich daran, ob es uns gelingt, die von Gott gegebene Verpflichtung zur Wahrheit als Einladung für unseren eigenen Weg zum Anderen hin zu begreifen. Hier gilt es, Gott zu loben, das Recht zu ehren und der Wahrheit die Ehre zu geben. Davon wird abhängen, ob wir die Kraft finden, Frieden zu fördern und einen gerechten Ausgleich der Interessen zu gestalten.

Dr. Wolfgang Huber
Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg - Schlesische Oberlausitz

Foto: EKBB

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