Grußwort des Präsidenten des
Abgeordnetenhauses von Berlin,
Reinhard Führer,
zur "Woche der Brüderlichkeit" 2001

 

Meistens fällt uns das Reden leicht. Wir können zu diesem oder jenem Thema Stellung beziehen, können diskutieren, argumentieren.

Manchmal jedoch suchen wir nach Worten um etwas auszudrücken, das sich eigentlich kaum in Worte fassen lässt, sondern sich durch unser Handeln oder unsere Taten anderen offenbart. Dazu gehört auch der Begriff "Brüderlichkeit".

Und doch fand ich vor einigen Tagen folgende Zeilen, die mir im Nachdenken über diesen Begriff aus dem Herzen sprachen: "Wenn einer deiner Brüder arm ist, in irgendeiner Stadt, in deinem Lande, ... , so sollst du dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder, sondern sollst sie ihm auftun und ihm leihen, soviel er Mangel hat." (5. Buch Mose, Kapitel 15,7)

Einfach und verständlich sind diese Worte. Aber fällt uns häufig nicht gerade die Umsetzung schwer? Also das, wodurch das Wort "Brüderlichkeit" sich erst dem anderen, dem Menschen neben mir zeigt? Wir ertappen uns bei dem Gedanken: "Warum soll gerade ich helfen? Was nützt es schon, wenn ich etwas tue. Ich allein kann doch nichts ändern."

Dabei geht es nicht nur um das Teilen materieller Dinge, sondern ebenso um das Teilen menschlicher Werte wie: Verständnis, Mitgefühl und Toleranz. Nichts anderes bedeutet Brüderlichkeit.

Dass es für einige von uns selbstverständlich ist, zeigt sich in ihrem Engagement in karitativen oder sozialen Einrichtungen, in der Unterstützung alter und hilfsbedürftiger Menschen. Diese Brüderlichkeit wird insbesondere von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gefördert und gelebt. Nur das gemeinsame Wirken von Christen und Juden läßt Glaubensunterschiede in den Hintergrund rücken. Wichtig für uns alle ist die Toleranz und gegenseitige Achtung - egal welcher Glaubensrichtung er angehört.

Die Woche der Brüderlichkeit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit soll uns bewußt machen, dass ein bisschen Güte von Mensch zu Mensch besser ist als alle Liebe zur Menschheit: Und das jeden Tag.
Dann sind wir auch durch unser Handeln dem Begriff "Brüderlichkeit" ein Stückchen näher gekommen.

Reinhard Führer
Präsident des Abgeordnetenhausesvon Berlin

Seitenlayout: Jürgen Respondek