Grußwort des Vorstandsvorsitzenden
der Jüdischen Gemeinde zu Berlin,
Dr. Gideon Joffe
,
zur Woche der Brüderlichkeit 2006

2006

 

Zum 55. Mal findet in diesem Jahr die "Woche der Brüderlichkeit" statt.

Das diesjährige Motto lautet "Gesicht zeigen!".

Vor 57 Jahren wurden die ersten Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit gegründet, hervorgegangen aus dem Bewusstsein der historischen Verantwortung, die Christen in Deutschland nach dem Hitler-Regime gegenüber Juden trugen.

Der christlich-jüdische Dialog kam erst zustande, nach dem fast alle jüdischen Menschen, die den Dialog hätten führen können, ermordet oder vertrieben waren.

Dennoch waren von den wenigen jüdischen Menschen, die nach der Shoah jüdisches Leben in Deutschland wieder aufbauten, viele zum Dialog bereit.

Selbst spätere Nazigegner wie Pastor Martin Niemöller haben in Verkennung der christlichen Botschaft den Antisemitismus mitgetragen. Nach dem großen Erwachen schrieb Niemöller seine gewonnene Erkenntnis mit den Worten nieder:

"Als die Kommunisten abgeholt wurden, habe ich nicht dagegen protestiert,
weil ich kein Kommunist war.
Als die Geisteskranken abgeholt wurden, habe ich nicht dagegen protestiert,
weil ich kein Geisteskranker war.
Als die Juden abgeholt wurden, habe ich nicht dagegen protestiert,
weil ich kein Jude bin.
Als ich selbst abgeholt wurde,
gab es niemanden, der dagegen hätte protestieren können."

Der Verein "Gesicht zeigen!" und der niederländische Schriftsteller Leon de Winter werden zurecht gemeinsam für ihr entschiedenes Eintreten gegen antisemitische und rassistische Tendenzen in Politik, Gesellschaft und Kultur mit der Buber - Rosenzweig - Medaille ausgezeichnet.

Ich wünsche der "Woche der Brüderlichkeit" 2006 viel Erfolg und gutes Gelingen!

Dr. Gideon Joffe
Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
Foto: Jüdische Gemeinde Berlin