Grußwort des Ratsvorsitzenden
der Evangelischen Kirche in Deutschland,
Bischof Dr. Wolfgang Huber,
zur Woche der Brüderlichkeit 2005

Wolfgang Huber

Am 24. November 1949 wurde die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. (GCJZ) gegründet. Schon allein die Namen der Persönlichkeiten, die mit der Gesellschaft verbunden waren und sind, beeindrucken: Rabbiner, Theologen und Geistliche wie Leo Baeck, Schalom Ben-Chorin, Martin Buber, Otto Dibelius, Kurt Scharf und Georg Sterzinsky; Politiker wie Heinrich Albertz, Willy Brandt, Ferdinand Friedensburg, Heinz Galinski, Hanna-Renate Laurien und Richard von Weizsäcker.

Nach Auschwitz war die Zusammenarbeit zwischen Juden und Christen schwer und nötig zugleich. Schwer, ja vielerorts unmöglich war sie aus inneren und äußeren Gründen. Der Mord am europäischen Judentum hatte Schuld, Scham und Sprachlosigkeit zurückgelassen; zu seinen bedrückenden Folgen gehörte auch, dass es an den allermeisten Orten keine Juden mehr gab, mit denen man zusammenarbeiten konnte - sie waren ermordet oder emigriert. Erst allmählich bildete sich wieder ein jüdisches Leben; dass die Juden, die überlebt hatten oder zurückkehrten, bereit sein könnten, mit Christen zusammenzuarbeiten, war nur schwer zu erhoffen - zu erwarten war es gar nicht. Deshalb trug die Gründung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Züge eines Wunders. Heute gehört die Woche der Brüderlichkeit zur Berliner Normalität. In diesem Jahr steht sie unter einem Bibelwort aus dem 1. Thessalonicherbrief Kapitel 5 Vers 21: "Prüfet alles, das Gute behaltet".

Hatten einige Theologen unter Hitler versucht, nachzuweisen, dass Jesus von Nazareth eigentlich ein Arier gewesen sei, so ging es in den letzten Jahrzehnten darum, wie wir als Christen davon ablassen können, das Judentum als schwarzen Hintergrund für die lichte und helle Christusgestalt zu missbrauchen. Die Umkehr, die wir uns abverlangen mussten und müssen, bedeutet eine tief greifende Korrektur in Theologie und kirchlicher Haltung. Viele haben dazu beigetragen und sich durch Widerstände nicht entmutigen lassen. In diesem Zusammenhang freut es mich besonders, dass der Berliner Theologe Prof. Dr. Peter von der Osten-Sacken und das mit unserer Kirche verbundene Institut für Kirche und Judentum für die Ehrung mit der Buber-Rosenzweig-Medaille nominiert wurde. Die Medaille wird Peter von der Osten Sacken und seinem Institut am 6. März 2005 in Erfurt für die Verdienste um den christlich-jüdischen Dialog verliehen werden.

Ich danke allen, die dazu beigetragen haben, dass die Woche der Brüderlichkeit einen derart festen Ort im Leben unserer Stadt wie vieler anderer Städte in Deutschlands gewonnen hat und dass sie auch in diesem Jahr in der gewohnten Qualität stattfinden kann.

Dr. Wolfgang Huber
Ratsvorsitzender der Evangelische Kirche
Berlin-Brandenburg - schlesische Oberlausitz

Foto: EKBB