Grußwort der Gesellschaft für
Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin
zur "Woche der Brüderlichkeit" 2001

"...denn er ist wie du..."

 

" ... denn er ist wie du ...". Kaum ein anderes Wort der Bibel fordert mit solch eindrücklicher Prägnanz auf zu Toleranz und Brüderlichkeit. Es ist deshalb kein Zufall, dass der Deutsche KoordinierungsRat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit dieses Wort nach Jahrzehnten erneut zum Motto der Woche der Brüderlichkeit erklärt, die im März 2001 bundesweit begangen wird - in Berlin seit 1952, also in diesem Jahr zum 50. Mal.

"....denn er ist wie du...". In den fünfziger Jahren wollte die Woche der Brüderlichkeit ein Zeichen setzen gegen Beschönigung und Beschwichtigung, gegen das Verschweigen und Vergessen in der Generation der Täter. Sie wollte ihren Beitrag leisten, dass sich Täter und Mitläufer der Vergangenheit stellen und sie wollte verhindern, dass die Verfolgten und überlebenden Opfer erneut an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Mehr noch aber sollte die nachwachsende Generation gegen Nationalsozialismus und Antisemitismus immunisiert werden.

"....denn er ist wie du...". Im Jahr 2001 ist diese Mahnung erneut Ansporn zu Reflexion und Aufklärung. Heute bereiten uns nicht mehr die ewig Gestrigen Sorgen, sondern ein Teil der Jugend und jungen Erwachsenen, die aufgrund einer diffusen Mischung aus Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus für eine neue Welle rechtsextremer Gewalttaten verantwortlich sind. Wir müssen uns die Frage stellen, und zwar nicht nur in dieser Woche der Brüderlichkeit, ob wir auf diesen neu aufflammenden Rechtsextremismus in der Enkelgeneration schon die richtigen Antworten gefunden haben.

Auf keinen Fall lassen wir uns in unserem Streben beirren, für ein tolerantes Miteinander überall in Deutschland einzutreten.

Ulrich Schürmann
Evangelischer Vorsitzender

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