Grußwort der Gesellschaft für
Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
in Berlin e.V.

2006

Jael Botsch-Fitterling

 

Gesicht zeigen können - das war ein Grundprinzip für die Väter der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Nach langer Zeit findet die bundesweite Eröffnungsveranstaltung der Woche der Brüderlichkeit 2006 wieder in Berlin statt. Und doch sind die Rahmenbedingungen neu, da inzwischen die Bundespolitik in Berlin als Hauptstadt Gesicht zeigt.

Wenn allerdings mehr als fünfzig Jahre nach der Befreiung aus Nationalsozialismus und Rassismus eine Aktion "Gesicht zeigen" zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu gegründet wird und für ihre Tätigkeit zu prämiieren ist, so zeigt dies, wie aktuell die Herausforderung bleibt.

In Berlin wurden in den vergangenen Jahren Neonazis gestoppt, ihre Aufmärsche an die Peripherie der Stadt verdrängt, weil Demokraten hier Gesicht zeigten.

Seit der Befreiung Berlins vom Regime der Nationalsozialisten wurde stufenweise und dezentral, d.h durch Initiativen in den einzelnen Bezirken der Stadt, politische Erinnerungsarbeit geleistet. Es wurde erhellt, wie staatliche Rassenpolitik stattgefunden hat und wie Rassenverfolgung mit ermöglicht wurde durch Wegschauen und Abwenden des Gesichts. Es wurde aber auch erinnert an Menschen, die ermöglicht haben, dass rund 1400 Juden versteckt in Berlin überleben konnten.

Die Woche der Brüderlichkeit findet seit über einem halben Jahrhundert statt. Jahr für Jahr sind es in Berlin zahlreiche Mitveranstalter, die einen großen Kreis von Besuchern in vielfältiger Weise ansprechen. Es ist erfreulich, dass mannigfaltige Initiativen sich zur Woche der Brüderlichkeit melden, manche auch durch unsere Anfragen angeregt ein Projekt zum jeweiligen Motto entwickeln.

Wichtig bleibt, dass in Berlin neben der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft aktiv ist. Daraus entwickelte sich schwerpunktmäßig eine Aufgabenteilung. Während die DIG sich auf die zwischenstaatliche Politik fokussiert und sich mit Antizionismus und politischer Gegnerschaft zu Israel auseinandersetzt, konzentrieren wir uns auf die innergesellschaftlichen Probleme des Antijudaismus und Antisemitismus.

Wir hoffen, dass die Berlin-Besucher ebenso wie unser Stammpublikum Interesse an den angebotenen Veranstaltungen zur der Woche der Brüderlichkeit 2006 finden und dass viele Menschen dazu motiviert werden, Gesicht zu zeigen.

Wir danken den Veranstaltern, den Besuchern und insbesondere all denen, die mit Rat, Hilfe und Spenden die Arbeit der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit unterstützen und wünschen uns allen Erfolg.

Jael Botsch-Fitterling
Jüdische Vorsitzende
Foto: privat


Wir über uns
Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin (GCJZ) wurde am 24. November 1949 gegründet. Seither haben wir uns darum bemüht, das Verständnis, die Zusammenarbeit und den religiösen Dialog zwischen Juden und Christen zu fördern. Nun muß zusätzlich den veränderten sozialen Lebensbedingungen der Menschen Rechnung getragen werden.
Viele Deutsche sind verunsichert, was mit der Ablehnung alles Anderen, "Fremden", einhergeht. Eine neue, starke Betonung des Deutsch-Seins führt zu wachsender Fremdenfeindlichkeit. Neben ihrer religiösen Basis sieht die Gesellschaft nun auch ihre Aufgabe darin, diese aktuellen Probleme zu bekämpfen. Das heißt:
Wir müssen Ursachen und Folgen der Fremdenfeindlichkeit in unserem Land kennzeichnen und in der Öffentlichkeit menschenverachtenden Äußerungen, jeglicher Judenfeindlichkeit und Intoleranz widersprechen.

Mit Vorträgen und Seminaren, Lesungen und Theateraufführungen, Exkursionen und Ausstellungen, stadtgeschichtlichen Führungen und weiteren kulturellen Veranstaltungen leisten wir ständig Aufklärungsarbeit, um damit die Ziele der Gesellschaft zu erreichen: Vorurteile zu beseitigen, das Verständnis der Menschen untereinander zu fördern und die Zusammenarbeit mit Institutionen und anderen Religionsgemeinschaften, insbesondere zwischen christlichen und jüdischen, zu vertiefen. Langfristig streben wir auch das Gepräch mit islamischen Glaubensgemeinschaften an.
Zum Gedankenaustausch untereinander findet jeden zweiten Monat für Mitglieder und Interessenten ein Jour Fixe statt.
Wir arbeiten eng mit dem Ständigen Arbeitskreis von Juden und Christen in Berlin zusammen.
Jedes Jahr im März richten wir die "Woche der Brüderlichkeit" aus. Sie ist eine konzertierte Aktion mit vielen Mitveranstaltern, die die Öffentlichkeit entsprechend den Zielen der GCJZ ansprechen wollen. Die GCJZ Berlin beteiligt sich mit eigenen Veranstaltungen, so für Jugendliche z.B. mit Gesprächsrunden, künstlerischen Veranstaltungen und Ausstellungen, die ihnen die Vielfalt kultureller und religiöser Eigenarten anderer Völker - besonders des jüdischen Volkes - näher bringen können.
In der GCJZ-Geschäftsstelle steht eine Bibliothek zu christlich-jüdischer Thematik interessierten Lesern zur Verfügung.
Die GCJZ Berlin ist Mitglied des Deutschen KoordinierungsRats (DKR), dem über 80 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit angehören.

Unser Logo: Jeder Ring symbolisiert eine Glaubensrichtung: Juden, Katholiken und Protestanten.
Die Berliner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. verbindet ihr Symbol mit dem Verständnis von Akzeptanz, wie es in der Ringparabel aus "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing zum Ausdruck kommt.