Grußwort der Gesellschaft für
Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin
zur "Woche der Brüderlichkeit" 2002

"...empfange  jeden Menschen
mit wohlwollendem Angesicht"
 
(Sprüche der Väter, I/15, Schammai)

 

"Empfange jeden Menschen mit wohlwollendem Angesicht" - dieser Satz scheint einfach und selbstverständlich, aber wenn man sich ihn näher ansieht, ist er nicht unkompliziert. Empfangen soll ich jeden Menschen, der auf mich zukommt, der etwas von mir will, der mich fragt oder der meine Hilfe braucht. Ich kann mich nicht darauf zurückziehen, dass ich ja keinem Menschen übel will und keinem schaden will, nein ich muss, wenn er auf mich zukommt, bereit sein ihm zu nützen und ihn zu schützen. Und das muss er mir ansehen, das muss er an mir erkennen, an meinem wohlwollenden Gesicht und an meiner offenen Haltung.

In dieser Woche der Brüderlichkeit 2002 sollten wir wieder darüber nachdenken, wie sie denn konkret aussieht, die Nächstenliebe. Sie ist ein Gebot, das Juden und Christen miteinander verbindet. Sie ist formuliert im Buch Leviticus 19, 18 und wird im Evagelium Lukas 10, 27-28 förmlich von Jesus bestätigt.

Für die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit geht es um eine Intensivierung der Gestaltung von gemeinsamem Handeln der verschiedenen Gruppen, mit denen wir zusammenleben und die das Zusammenleben mit uns suchen. Die Gesellschaft hat sich in den letzten Monaten bemüht, das Gespräch zwischen den Glaubensgemeinschaften zu erweitern. Für die Gründungsväter der deutschen Gesellschaften nach dem 2. Weltkrieg bedeutete christlich "katholisch und evangelisch". Das zeigt sich in den drei ineinandergreifenden Ringen, die das Signet unserer Vereinigung darstellen. Das war zwar schon 1948 nicht richtig, ist aber heute erst recht falsch. Auf Grund eines Auftrags des Kuratoriums hat der Vorstand Verbindung aufgenommen zum Ökumenischen Rat Berlin/Brandenburg und ihn gebeten, sich für die Arbeit der Gesellschaft zu interessieren, sich zu beteiligen an der Woche der Brüderlichkeit und mit der Gesellschaft bei eigenen Aktivitäten und Gesprächsveranstaltungen zu kooperieren. Unsere Bitte ist sehr freundschaftlich aufgenommen worden und wird sich in einer Reihe von Veranstaltungen der nächsten Wochen der Brüderlichkeit niederschlagen.

Dr. Joachim Kramarz

Katholischer Vorsitzender